Was ist Heidentum?

Was ist Heidentum denn eigentlich?

Nachdem Thomas „Voenix“ mir die Frage stellte, was Heidentum für mich sei, habe ich mir vorgenommen, meine Sicht doch einmal zu überdenken und darzulegen.


Vom Grundwort her meint Heidentum heutzutage ja Menschen, die keiner monotheistischen Religionsform angehören und sich zu einem naturreligiösen Lebensweg berufen fühlen. Oder?


Im heutigen Heidentum findet sich alles mögliche unter diesem Begriff zusammen. Und immer mehr bin ich der Überzeugung, dass der Begriff Heidentum einfach nur als Sammelbegriff verwendet wird. Da trifft so viel Unterschiedliches aufeinander, kein Wunder, das es zwischen „Heiden“ immerzu zu Diskussionen und Streit kommt. Besonders auch deshalb, weil Menschen, die sich AKTIV für eine solche Lebensform entschieden haben, das auch sehr sehr wichtig finden.


Dem durchschnittlichen Christ passiert das nicht. Der weiß, das es da die Bibel gibt. Und das Christen lieb sein sollten und von einem „lieben Gott“ angeführt werden. Freundlichkeit allen Gegenüber, Teilen was man hat, keine Sünden begehen um den „lieben Gott“ nicht zu verärgern – und wenn doch, dann zur Beichte zu gehen und zu büßen. Letztlich im Himmel zu landen und dort in Ewigkeit glücklich sein. - So aus meiner Sicht, sehr kurz gefasst. Betont wird immerzu das es immer um Liebe geht. Zumindest heutzutage, nach einer langen, gewaltbetonten Zeit. Aber, Jesus sei Dank, ist das ja vorbei. Oder?


Dass das Christentum im Einzelnen keineswegs so funktioniert wie oben beschrieben, ist bekannt. Aber auch egal… Christ ist der Durchschnittsbürger einfach. Punkt. Ohne wirklich ein Thema im Leben damit zu haben.


Was ist nun mit Heiden? Ja, Heiden entscheiden sich selbst irgendwann für ihren Weg. Entdecken ihn mit viel Mühe und Begeisterung. Nicht durch gequälte Schulstunden oder angereizt durch Geschenkeberge zur Taufe, Kommunion oder ähnlichem. Ein Heide entscheidet sich ein Stück weit gegen die Gesellschaft. Der Heide – möchte er seine Religion leben – ist immer wieder Anfechtungen, Belächeln oder Kopfschütteln und Ignoranz ausgesetzt. Bleibt er dennoch dabei, ist deutlich sicht- und spürbar, das er auch wirklich absolut von seinem Weg überzeugt ist.

Heidentum ist nichts, was man nebenbei ist, so wie Christ. Heidentum ist ein völlig anderes Leben.

Durch die unzähligen Unterschiede im Heidentum, jeder völlig von seiner Art überzeugt, weil „hart erarbeitet“, gibt es eigentlich kein gemeinschaftliches Heidentum.

Ich bin den Kampf leid. Den Kampf, vor Normalos zu bestehen und zu erklären ebenso, wie die Diskussionen unter Heiden. Ich bin geneigt, die verschiedenen Richtungen zu akzeptieren, will aber nicht viel davon wissen, denn ich habe meine Lebensform und bin damit unglaublich glücklich und heil geworden.

Was ist nun Heidentum a la Runenhex?


Nach langen Jahren des Lesens und Studierens habe ich schon lange aufgehört, mich nach menschlich erdachten Geschichten (oder angeblich wir-wissen-es-genau-wissenschaftlichen-Texten) zu richten. Mein Heidentum gründet sich auf meinem Land. Den hier waltenden Naturkräften und den Göttern und Wesenheiten, die ich persönlich in meinen Trancen erlebe. Da ich auf altem germanischen Land gewachsen bin (nicht Wikingerland sondern auf dem Waldland, das sich heute Deutschland nennt, und kaum mehr Wald hat), zeigen sich mir in meinen landverbundenen Tranceerlebnissen tatsächlich die Kräfte und Götter und Wesenheiten, wie sie wohl auch schon die Urahnen, die Völvas der Germanen, wahrnehmen durften. Manches deckt sich mit den erhaltenen Erzählungen der Leute früher, manches ist anders. Ich glaube dem, was ich selbst wahrnehme. Und werde auch in den Konsequenzen, die sich aus meinem Erleben in meinem Leben manifestieren, niemals enttäuscht. Eher immer wieder überrascht. Deshalb… ich glaube nicht, ich weiß.


Somit gehört auf der menschlichen Ebene des „Heide“ seins für mich ganz klar, das Leben in allem zu sehen und zu ehren. Die Liebe zu allem was Natur und natürlich ist. Ob im Mensch, im Tier oder in der Pflanze, im Stein, im Wasser, Feuer, Erde und Luft. Daraus ergibt es sich völlig natürlich, nichts davon zu missbrauchen. Zu brauchen schon, aber nicht zu missbrauchen.


Das führt für mich als Heide unweigerlich dazu, Baumfällungen kritisch zu prüfen oder auch die modernen Jagdgebräuche. Und besonders das Konsumverhalten der Normalos (oft gerade bei Christen) empfinde ich als absoluten Frevel. Ich weiß von drüben, dass Menschen sich nehmen dürfen was sie brauchen. Mit Respekt. Das ist überhaupt kein Problem. Das immer mehr haben wollen – das ist das Problem. Als Heidin versuche ich das möglichst zu vermeiden und mich eben so gut es im Hier und Jetzt geht, in die Natur einzugliedern. Das geht bei mir allerdings ein bisserl extrem zu… ich mag keine Flugreisen machen zum Beispiel. Meine Seele vom Land hier loszureißen schmerzt und dann die Sauerei in der Luft. Oder Schiffe… Kreuzfahrtschiffe. WOZU? Das ist unnötige Ausbeutung. Nur für Urlaub? Kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren… reicht schon, das ich Auto fahre – und nicht grade wenig. Fleisch oder Fisch essen? Ich mags nicht mehr… aber alle anderen Leute: Ja gerne… am liebsten das, was selbst geschlachtet oder erjagt oder gefischt ist. Eins. Nicht drei Angstfleisch-Ausbeuter-Steaks für 99 Cent oder Fleisch für 100 Euro, das um den halben Erdball transportiert werden muss. Eins… alle paar Wochen, wenns nicht geht, dann nicht. Gemüse ist schon schlimm genug. Also das, das wir als Gemüse kaufen. – siehe: „alles lebt“ und denk mal drüber nach.

Oh… ja. Ich trage Fuchsfell bei der Arbeit. Ein Geschenk. Ich habe gerne Felle von Tieren, die ich drüben erlebe und mit denen mich viel verbindet. Das kennt man ja von Schamanen… Aber ich würde niemals aus Schönheits-Gründen einen Pelzmantel tragen. Für die Wärme – Ja. Nicht von Zuchtfarmen sondern von dem, was von Tieren die erlegt werden, eh übrig ist.


Ich könnte immerzu so weiter erklären, was alles zum Heide sein für mich dazu gehört.

Aber das liest dann sicher keiner mehr… lach.

Also kurz:

Ich achte und Ehre alles was Hier und Jetzt lebt. Wie ich agiere, heile, arbeite und was ich in meinem Leben tue ergibt sich aus meinem Erleben in der für manche Menschen nicht sichtbaren Ebene der Götter und Geister meines Landes. Dort weiß ich, läufts richtig.


Was Menschen für mich NICHT zu Heiden macht:

Okkulter Schmuck Wochenend-Wikinger-Sein Vegetarier oder Veganer sein „Ein-Gott-Ideen“ in die Naturreligion reinwursteln Politische Gutmenschen nach christlichem Vorbild (Politik hat mit Heidentum nix zu tun) Rechtsradikale Ansichten Leser-Heiden ohne praktisches Erleben usw…


Ob nun ein Heide seine Feste und Bräuche nur so feiert oder ob ein Heide dies wirklich mit seiner Göttersippe tut, das ist nicht entscheidend, finde ich… das ist so, wie es halt passt. Wichtig ist, das er feiert und weiß was und warum…. Wichtig ist für mich, dass der Heide Ostern und Weihnachten sausen lässt und erkennt, wie wichtig die Sonnwenden sind – zum Beispiel.


Heidentum… ist Natur. Nicht gelerntes Brauchtum. Auf gar keinen Fall Politik. Und sicher nicht Licht und Liebe. sondern eben Natur.

Das Walten der natürlichen Kräfte.

Nicht mehr und nicht weniger. Und das ist schon mehr, als man in einem Menschenleben in vollem Umfang anerkennen kann.

Ich bin Heidin. Das steht im Vordergrund meines Lebens.


Runenhex


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